Fachkräftereise nach Tel Aviv 2019: Eine Reise der Verständigung und Begegnung
Auf dem Weg zur internationalen Jugendpartnerschaft
Im Jahr 2019 machte sich eine Gruppe von Fachkräften des SEJ auf den Weg nach Tel Aviv – mit einer Vision, die über klassische Städtepartnerschaft hinausgeht. Die Reise in Essens Partnerstadt sollte die Grundsteine für etwas Besonderes legen: einen Jugendaustausch, der junge Menschen verschiedener Glaubensrichtungen zusammenbringt und damit ein kraftvolles Zeichen für Toleranz, Verständnis und friedliches Miteinander setzt.
Intensive Gespräche mit stadtpolitischen Akteuren
Die Fachkräfte führten während ihres Aufenthalts intensive und konstruktive Gespräche mit zentralen Ansprechpartnern der Stadt Tel Aviv. Das Büro für Städtepartnerschaften öffnete nicht nur Türen, sondern zeigte echtes Interesse an einer tieferen Zusammenarbeit im Bereich der Jugendarbeit. In den Diskussionen mit Frau Yonit Stern, einer Schlüsselfigur in der städtischen Netzwerkarbeit, wurden die besonderen Chancen deutlich, die ein interkultureller und interreligiöser Jugendaustausch für beide Städte bieten könnte.
Besonders wertvoll waren die Treffen mit dem Jugendamt und dem Vertreter des Bürgermeisters, die verdeutlichten, dass Tel Aviv großes Interesse an einer tragfähigen Kooperation mit deutschen Jugendorganisationen hat. Auch die Kulturabteilung der Oper Tel Aviv beteigte sich an den Gesprächen und signalisierte Offenheit für kulturelle Jugendprogramme – ein Zeichen dafür, dass Kultur als Brücke zwischen jungen Menschen verschiedener Herkunft verstanden wird.
Das Büro für Klima, Stadtklima und Umwelt wiederum öffnete die Perspektive auf ein weiteres wichtiges Themenfeld: Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein als verbindendes Element für jugendpolitische Zusammenarbeit.
Die geplante Jugendbegegnung: Vielfalt statt Einfalt
Basierend auf diesen vielversprechenden Gesprächen entstand ein innovatives Konzept für einen Jugendaustausch im Folgejahr. Die geplante Gruppe sollte sich bewusst aus Jugendlichen verschiedener Glaubensrichtungen zusammensetzen – Christinnen und Christen, Musliminnen und Muslime, Jüdinnen und Juden, sowie Jugendliche ohne religiöse Bindung. Diese Heterogenität war nicht Zufall, sondern programmatisch gewollt: Sie sollte exemplarisch zeigen, dass gerade in einer Welt zunehmender Polarisierung das gemeinsame Erlebnis von Gleichaltrigen unterschiedlicher Herkunft transformative Kraft entfalten kann.
Die Leitung dieser Gruppe sollte ein erfahrener Sozialarbeiter übernehmen, der bereits beim Eurovision Song Contest in Israel mit der Jugendhilfe gGmbH zusammengearbeitet hatte. Diese persönliche Kontinuität und seine bewährten Kontakte hätten für ein hohes Maß an Sicherheit, Professionalität und kultureller Sensibilität gesorgt.
Corona bremst die Hoffnung – vorübergehend
Was folgte, war für viele Austauschprogramme eine bekannte Geschichte: Die Corona-Pandemie machte die geplante Reise unmöglich. Der Jugendaustausch konnte 2020 nicht wie geplant durchgeführt werden. Doch die Kontakte blieben bestehen, die Idee starb nicht. Sie steht als Mahnung und Hoffnung gleichermaßen dafür, dass internationale Jugendpartnerschaft in einer globalisierten Welt wichtiger ist denn je – und dass es wert ist, auf bessere Zeiten zu warten.
Die Orte der Begegnung und Erinnerung
Neben den administrativen und politischen Terminen besuchte die Fachkräftegruppe Orte, die für das Verständnis der Region zentral sind. Jerusalem, die Altstadt Jerusalems mit ihren heiligen Stätten, die für Christentum, Islam und Judentum gleichermaßen von Bedeutung sind, ermöglichten ein tieferes Verständnis für die komplexe religiöse und kulturelle Realität des Landes.
Besonders bedeutsam war der Besuch von Yad Vashem, dem Gedenkort für die Opfer des Holocaust. Dieser Ort der Erinnerungskultur ist zentral für die Auseinandersetzung mit der europäisch-jüdischen Geschichte und verweist auf die Verantwortung, die gerade deutsche Fachkräfte und Jugendliche in der internationalen Verständigung tragen. Der Besuch machte deutlich: Ein Jugendaustausch zwischen Essen und Tel Aviv ist nicht nur eine Initiative für kulturelle Vielfalt, sondern auch ein Akt der historischen Verantwortung.
Ausblick: Warum diese Reise zählt
Die Fachkräftereise 2019 bewies, dass internationale Jugendarbeit in einem sensiblen Kontext nicht nur möglich, sondern notwendig ist. Sie zeigte auf, dass echte Verständigung beginnt, wenn Menschen sich auf Augenhöhe begegnen – nicht als politische Vertreter oder abstrakte Kulturen, sondern als Einzelne mit Geschichten, Hoffnungen und Träumen.
Auch wenn die Corona-Pandemie den unmittelbar geplanten Jugendaustausch verhinderte: Die Vorbereitungen des SEJ verdeutlichen ein Verständnis von Jugendpolitik, das über Freizeit und Entertainment hinausgeht. Sie zeigen eine Bereitschaft, junge Menschen mit den großen Fragen unserer Zeit zu konfrontieren – mit Vielfalt, mit Geschichte, mit Hoffnung auf Verständigung.
Tel Aviv bleibt ein Ziel. Die Kontakte bleiben bestehen. Und wenn die Welt es wieder zulässt, werden Jugendliche aus Essen die Reise antreten, um in einer Stadt am Mittelmeer zu erleben, was möglich ist, wenn Menschen unterschiedlichen Glaubens zusammenkommen, nicht um ihre Differenzen zu verhandeln, sondern um gemeinsam zu wachsen.