Städtepartnerschaft Tel Aviv 2023

Fachkräftereise und Jugendbegegnung Tel Aviv 2023: Eine Reise zwischen Hoffnung und Zäsur

Ein lang ersehnter Wiederaufbruch

Im Oktober 2023 reiste eine Delegation des SEJ (im Rahmen des Stadtverbands der Essener Kinder- und Jugendverbände) nach Tel Aviv. Was als lang ersehnte Wiederaufnahme der persönlichen Begegnungen nach den Corona-Jahren geplant war, sollte an die visionären Vorarbeiten der Fachkräftereise von 2019 anknüpfen. Die Gruppe, bestehend aus Jugendlichen und erfahrenen Betreuern, erreichte die Partnerstadt mit dem Ziel, die lebendige Partnerschaft zwischen Essen und Tel Aviv endlich wieder durch gemeinsame Erlebnisse vor Ort zu füllen.

Der 7. Oktober: Wenn der Austausch zur Ausnahmesituation wird

Die Reise nahm jedoch eine Wendung, die niemand vorhersehen konnte. Mit den Terrorangriffen der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 veränderte sich die Situation schlagartig. Aus einem pädagogischen Austauschprogramm wurde binnen Stunden ein Ernstfall des Krisenmanagements.

Statt geplanter Workshops und kultureller Begegnungen bestimmten plötzlich der Luftalarm und der Gang in die Schutzräume den Alltag. Die Gruppe, musste in einer Stadt ausharren, die sich im Kriegszustand befand. Die Strände waren gesperrt, das öffentliche Leben kam zum Erliegen, und die Ungewissheit über die Rückflüge wuchs, da viele Airlines ihre Verbindungen strichen.

Professionelles Handeln in der Krise

In dieser extremen Belastungssituation bewährte sich die hohe Professionalität der begleitenden Fachkräfte. Die Betreuer sorgten nicht nur für die physische Sicherheit der Jugendlichen im Schutzraum, sondern leisteten auch entscheidende psychologische Unterstützung. Die Gruppe hielt zusammen, strukturierte den Tag im Apartment und bewahrte Ruhe, während draußen die Sirenen heulten – und man die Vibrationen der Einschläge spüren konnte.

Die Brücke nach Essen hält

Besonders in diesen schweren Stunden zeigte sich, wie eng die Verbindung in die Heimatstadt Essen ist. Es bestand ein direkter und stetiger Draht zur Stadtverwaltung. Oberbürgermeister Thomas Kufen sowie die Mitarbeitenden des Büros für Städtepartnerschaften standen in engem Kontakt mit der Gruppe und den Betreuern. Diese politische und administrative Unterstützung war nicht nur organisatorisch wichtig für die spätere Rückholung, sondern auch ein vitales psychologisches Signal: “Ihr seid nicht allein.”

Auch zu den Eltern in Essen wurde ein ständiger Informationsfluss aufrechterhalten, um Sorgen zu lindern und Transparenz über die Sicherheitslage zu schaffen.

Rückkehr und Reflexion

Nach Tagen der Ungewissheit gelang schließlich die sichere Rückreise nach Deutschland. Die Erleichterung bei der Ankunft war riesig, doch die Gedanken blieben bei den Freunden und Partnern in Tel Aviv, die nicht einfach in ein Flugzeug steigen konnten.

Diese Reise im Oktober 2023 wird in die Geschichte des SEJ eingehen – nicht als der geplante unbeschwerte Jugendaustausch, sondern als Zeugnis tiefer Solidarität. Die Jugendlichen und Fachkräfte haben hautnah erlebt, was es bedeutet, wenn der Frieden zerbricht. Diese Erfahrung hat den Blick auf Israel, auf die Partnerstadt Tel Aviv und auf den Wert von Sicherheit und Frieden für immer geschärft.

Die Partnerschaft ist durch diese schweren Tage nicht geschwächt, sondern auf eine ernste, tief menschliche Weise intensiviert worden. Wir stehen an der Seite unserer Freunde in Tel Aviv – jetzt erst recht.