Jugendbegegnung in Essen mit Nischni Nowgorod 2019: Ein Mosaik der Zivilgesellschaft
Kultur, Rettungswesen und gelebte Solidarität
Im Herbst 2019 wurde die langjährige Städtepartnerschaft zwischen Essen und Nischni Nowgorod durch einen besonders vielfältigen Jugendaustausch mit Leben gefüllt. Eine Delegation Jugendlicher aus der russischen Partnerstadt war zu Gast in Essen und erlebte ein Programm, das weit über touristische Besichtigungen hinausging. Es war eine Reise in das Herz der Essener Jugendverbandsarbeit – ein “Deep Dive” in die Strukturen des Ehrenamts und der kulturellen Bildung.
Zu Gast bei Freunden: Unterkunft im Naturfreundehaus
Untergebracht war die Gruppe in einer Einrichtung der Naturfreunde Deutschlands. Diese Wahl war mehr als nur eine logistische Entscheidung. Die Häuser der Naturfreunde stehen traditionell für Gemeinschaft, Solidarität und einen achtsamen Umgang mit der Umwelt. Hier, abseits von sterilen Hotelzimmern, bot sich den Jugendlichen der Raum für informelle Gespräche am Abend, für gemeinsames Kochen und das echte Kennenlernen jenseits der offiziellen Tagesordnungspunkte.
Bühne frei für die Völkerverständigung
Ein zentraler Ankerpunkt des Austauschs war die Kooperation mit der Studio-Bühne Essen. Theaterarbeit erfordert Vertrauen, Offenheit und die Bereitschaft, sich aufeinander einzulassen – genau die Zutaten, die auch für eine gelungene Städtepartnerschaft essenziell sind. In Workshops und gemeinsamen Proben wurde deutlich, dass Kreativität keine Sprachbarrieren kennt. Die Jugendlichen erarbeiteten gemeinsam szenische Momente und tauschten sich über unterschiedliche Theatermethoden aus.
Blaulicht und Engagement: Einblick in die Rettungsstrukturen
Ein jugendpolitisches Highlight war der Austausch mit den “Blaulicht-Verbänden” des SEJ. Treffen mit der Jugendfeuerwehr Essen und dem Jugendrotkreuz eröffneten den Gästen spannende Einblicke in das deutsche System des ehrenamtlichen Bevölkerungsschutzes.
Der Dialog drehte sich hierbei nicht nur um Technik und Ausrüstung, sondern um die grundlegende Frage: Wie organisieren sich junge Menschen, um anderen zu helfen? Der Vergleich zwischen den ehrenamtlich geprägten Strukturen in Essen und den Systemen in Russland bot Stoff für intensive Diskussionen über bürgerschaftliches Engagement.
Werte und Geschichte: AWO und Deutsch-Russische Gesellschaft
Das Jugendwerk der AWO brachte die Perspektive der politischen Jugendbildung und der sozialen Arbeit ein. Hier standen Werte wie Solidarität, Gerechtigkeit und Emanzipation im Mittelpunkt. Ergänzt wurde dies durch Treffen mit der Gesellschaft für Deutsch-Russische Begegnung Essen e.V., die als Brückenbauerin fungierte und den historischen sowie gesellschaftlichen Kontext der Beziehungen beider Städte vertiefte.
Musik als universelle Sprache
Abgerundet wurde das dichte Programm durch Begegnungen mit Orchestern, die im SEJ organisiert sind. Wo Worte manchmal fehlen oder übersetzt werden müssen, schuf die Musik eine direkte Verbindung. Das gemeinsame Musizieren zeigte eindrücklich, dass Harmonie – im musikalischen wie im übertragenen Sinne – durch Zuhören und Zusammenspiel entsteht.
Fazit: Ein Fundament für die Zukunft
Der Besuch im Jahr 2019 zeigte eindrucksvoll, wie facettenreich die Jugendverbandsarbeit in Essen ist. Von der Kultur über das Rettungswesen bis hin zur politischen Bildung präsentierte sich das SEJ als starker Akteur der Zivilgesellschaft. Dieser Austausch war mehr als ein Besuch; er war ein lebendiges Plädoyer für den Dialog. Gerade in der Rückschau wird der Wert solcher direkten Begegnungen deutlich: Sie schaffen ein Fundament aus persönlichen Beziehungen und gegenseitigem Verständnis, das in einer komplexen Welt unverzichtbar bleibt.