Städtepartnerschaftliche Maßnahme Essen – Grenoble/Südfrankreich 2025: Wasser, Sicherheit und internationale Verantwortung
Über die Alpen ans Mittelmeer: Wasser als verbindende Sprache
Im Herbst 2025 realisierte das Jugendrotkreuz Essen zusammen mit Fachkräften des SEJ ein innovatives und ungewöhnliches Austauschprojekt in Südfrankreich. Die Reise führte die Gruppe in die Partnerstadt Grenoble sowie in die Region rund um Marseille und das Mittelmeer. Damit wurde eine Maßnahme umgesetzt, die die klassische Ebene städtepartnerschaftlicher Begegnungen verlässt und stattdessen auf eine spezialisierte, praktische Handlungsebene hebt: humanitäre Kompetenzen und Wassersicherheit als Universalsprache der Völkerverständigung.
Handlung statt nur Austausch: Das Jugendrotkreuz Essen am Mittelmeer
Das Herzstück dieser Maßnahme war die Jugendrotkreuz-Gruppe der Wasserwacht Essen, die mit ihrem spezialisierten Know-how am Mittelmeer tätig wurde. Der Fokus lag dabei nicht auf Freizeit und Erholung, sondern auf den ernsthaften Kompetenzbereichen: Schwimmen, Rettungsschwimmen und Tauchen.
Diese Themensetzung ist jugendpolitisch hochrelevant. Während traditionelle Städtepartnerschaften oft auf kulturelle und diplomatische Ebenen begrenzt bleiben, zeigt diese Maßnahme, wie praktische Lebensrettungskompetenz grenzüberschreitend wirkt. Die Wasserwacht, als spezialisierte Einrichtung des Roten Kreuzes, trägt eine verantwortungsvolle Sicherheitsmission. Am Mittelmeer – einer Region, die für internationale Rettungsbemühungen zentral ist – zeigten Essener Jugendliche nicht nur deutsche Rettungsstandards, sondern auch ihre Solidarität mit einer Region, die mit komplexen Sicherheitsaufgaben konfrontiert ist.
Der Austausch in Grenoble: Zivilgesellschaft und städtische Partnerschaft
Die Zeit in der französischen Partnerstadt Grenoble ermöglichte tiefere Begegnungen mit lokalen Akteuren der Kinder- und Jugendarbeit. Die Fachkräfte des SEJ führten wichtige Gespräche mit französischen Partnern und erkundeten die Strukturen des Jugendrotkreuzes in Frankreich. Diese Fachkräftedialoge sind essentiell: Sie ermöglichen den direkten Austausch über unterschiedliche Ansätze in der Jugendarbeit und dem Rettungswesen.
Grenoble selbst ist eine Stadt mit besonderen Stärken im Bereich Urban Sports und Nachhaltigkeit – 2022 war Grenoble zur Grünen Hauptstadt Europas gewählt worden. Diese Ausrichtung teilt Essen, das ebenfalls diese Auszeichnung erhielt. So trifft sich in dieser Partnerschaft ein gemeinsames Verständnis von modernem Stadtleben, das Nachhaltigkeit, Jugendförderung und Sicherheit zusammendenkt.
Die Provence und Marseille: Kultur, Geschichte, europäische Verantwortung
Der Aufenthalt in der Provence und Marseille erweiterte die persönliche Perspektive der Jugendlichen erheblich. Marseille ist nicht nur eine historisch bedeutsame Hafenstadt am Mittelmeer, sondern auch ein Ort, an dem Fragen der Migration, des Miteinanders verschiedener Kulturen und der internationalen Zusammenarbeit unmittelbar greifbar werden.
Die Erkundung dieser Region bot damit mehr als geographische Vielfalt – sie konfrontierte die jungen Menschen mit der Realität eines europäischen Grenzraums, in dem Sicherheit, Rettung und humanitäre Hilfe täglich Aufgabe sind. Der Aufenthalt in Marseille mit seinen vielfältigen Populationen und seiner Geschichte ist für deutsche Jugendliche zugleich eine Erinnerung an europäische Verantwortung und Solidarität.
Fachkräfte als Begleiter und Vermittler
Die Rolle des SEJ als begleitende Fachkräfteorganisation war zentral. Fachkräfte sind nicht einfach Aufseher, sondern Vermittler zwischen Welten. Sie übersetzten nicht nur sprachlich, sondern auch kulturell – und vor allem sorgten sie dafür, dass die Jugendlichen ihre praktischen Kompetenzen verantwortungsvoll und sicher einbringen konnten.
In dieser Begleitung zeigt sich auch eine pädagogische Perspektive: Nicht alle Reisen mit Jugendlichen sind Freifreiheitsmaßnahmen. Diese Maßnahme war eine Fachkräfteauslandmaßnahme mit operativer Komponente – und damit ein Modell, das Jugendliche ernst nimmt, ihre Kompetenzen nutzt und gleichzeitig ihre Sicherheit und persönliche Entwicklung bewahrt.
Die Universalsprache des Helfens
Vielleicht ist der tiefere Sinn dieser Maßnahme in einer besonderen Erkenntnis zu finden: Rettungsschwimmen kennt keine Sprachbarriere. Wenn französische und deutsche Jugendliche zusammen trainieren, am selben Strand Wacht halten oder in derselben Gruppe tauchen, entstehen Vertrauensbeziehungen, die politische Diskussionen durchbrechen können. Sie erleben einander als Profis in einer gemeinsamen Aufgabe – nicht als Vertreter unterschiedlicher Nationalitäten, sondern als Mitglieder einer humanitären Gemeinschaft.
Das Jugendrotkreuz insgesamt verkörpert diese Idee: dass Hilfe, Menschlichkeit und Solidarität die fundamentalen Werte sind, auf denen internationale Jugendarbeit aufbaut. Die Maßnahme in Südfrankreich 2025 zeigt, dass solche Ideale nicht abstrakt bleiben müssen, sondern durch spezialisierte Aktivitäten – Schwimmen, Rettungsschwimmen, Tauchen – gelebt werden können.
Fazit: Ein Modell für pragmatische Völkerverständigung
Die städtepartnerschaftliche Maßnahme Essen–Grenoble/Südfrankreich 2025 ist beispielhaft für ein zeitgemäßes Verständnis internationaler Jugendarbeit. Sie verbindet:
Dies ist gelebte internationale Solidarität: Junge Menschen, die lernen, dass ihre Fähigkeiten gebraucht werden – nicht irgendwo, sondern dort, wo Menschen jeden Tag für die Sicherheit anderer einstehen. Das ist Völkerverständigung, die zählt.