Städtepartnerschaft Zabrze / Polen 2024

Jugendbegegnung Essen – Zabrze 2024: Gemeinsam erinnern, gemeinsam Zukunft gestalten

Eine Reise gegen das Vergessen

Im Herbst 2024 führte eine bedeutende Maßnahme des SEJ in die polnische Partnerstadt Zabrze sowie nach Krakau. Diese Begegnung war weit mehr als ein klassischer Besuch: Sie war eine intensive Auseinandersetzung mit der deutsch-polnischen Geschichte und ein gelebtes Zeichen für eine gemeinsame europäische Zukunft. Dokumentiert wurde diese emotionale Reise auch intensiv in den sozialen Medien, wodurch die Erlebnisse der Gruppe direkt in die Essener Stadtgesellschaft getragen wurden.

Krakau: Auf den Spuren jüdischen Lebens

Der erste Teil der Maßnahme führte die Gruppe nach Krakau. Im historischen jüdischen Viertel Kazimierz setzten sich die Jugendlichen mit der blühenden Kultur auseinander, die das städtische Leben vor dem Holocaust prägte. Der Besuch der Synagoge und der geführte Gang durch das ehemalige Ghetto waren keine abstrakten Geschichtsstunden, sondern machten den unwiederbringlichen Verlust jüdischen Lebens in Europa greifbar.

Dass polnische und deutsche Jugendliche diese Orte gemeinsam aufsuchten, verlieh der Begegnung eine besondere Qualität. Wo die Geschichte durch Trennung und Zerstörung geprägt war, standen nun junge Menschen beider Nationen Seite an Seite.

Auschwitz: Der Ort der Sprachlosigkeit

Der wohl schwerste und zugleich wichtigste Moment der Reise war der Besuch der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau. Dieser Ort der Erinnerungskultur fordert jedem Besucher Demut ab. Für die Essener Delegation und ihre polnischen Partner war dies kein bloßer Programmpunkt, sondern Arbeit an der eigenen Verantwortung.

Die gemeinsamen Wege entlang der Zäune und Ruinen, festgehalten in stillen Momenten der Dokumentation, verdeutlichten die Botschaft: “Nie wieder” ist kein Slogan, sondern eine tägliche Aufgabe. Das “Elfte Gebot” des Auschwitz-Überlebenden Marian Turski – “Seid nicht gleichgültig” – wurde hier zur zentralen Handlungsmaxime für die politische Bildungsarbeit des SEJ.

Zabrze: Begegnung, Medien und Industriekultur

In der Partnerstadt Zabrze stand der lebendige Austausch im Mittelpunkt. Die Gruppe wurde nicht nur offiziell im Rathaus empfangen, sondern erlebte auch die große öffentliche Aufmerksamkeit, die dieser Partnerschaft in Polen zuteilwird.

Ein besonderes Highlight war das Interesse der lokalen Medien: Das polnische Fernsehen (TVZ) begleitete die Delegation, und Julian, einer der Essener Jugendlichen, gab ein bemerkenswertes Interview. Darin sprach er stellvertretend für die Gruppe über die Bedeutung des Austauschs und die Verantwortung der jungen Generation. Dieser Moment zeigte eindrucksvoll, dass Jugendliche im SEJ nicht nur Teilnehmer sind, sondern selbstbewusste Botschafter ihrer Stadt.

Auch die gemeinsame Identität als “Städte der Arbeit” wurde thematisiert. Der Besuch in der historischen Guido-Mine (Zabytkowa Kopalnia Guido) führte die Gruppe tief unter Tage. Ähnlich wie auf Zollverein in Essen wurde hier deutlich, wie sehr der Bergbau die Mentalität und Geschichte beider Regionen prägt. Diese geteilte “DNA der Arbeit” schuf eine sofortige Verbindung zwischen den Jugendlichen.

Workshop: Werte bauen

Neben den Besichtigungen gab es Raum für inhaltliche Arbeit. In Workshops setzten sich die Jugendlichen kreativ mit ihren Vorstellungen von einer offenen Gesellschaft auseinander. Symbolisch bauten sie an einer gemeinsamen Zukunft – eine Aktion, die verdeutlichte, dass Partnerschaft aktive Gestaltung bedeutet und auf gemeinsamen Werten wie Toleranz und Demokratie fundiert.

Fazit: Ein Fundament für die Zukunft

Die Jugendbegegnung 2024 hat gezeigt, dass die Städtepartnerschaft Essen-Zabrze lebendig und relevant ist. Sie verbindet die notwendige Erinnerungsarbeit in Auschwitz mit dem zukunftsorientierten Austausch über Strukturwandel und Medienkompetenz in Zabrze. Die Jugendlichen kehren nicht nur mit historischen Kenntnissen zurück, sondern als Botschafter einer Freundschaft, die immun machen soll gegen Nationalismus und Ausgrenzung.